Wein - Ratgeber

Wein geniessen kann man lernen!

Der Wein erfreut des Menschen Herz", wusste schon unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe zu berichten. In Maßen genossen, zu einem guten Essen, trägt Wein zu unserem Wohlgefühl bei. Doch Wein ist nicht gleich Wein und vielerorts herrscht Unsicherheit über den Umgang mit dem edlen Rebensaft: Welcher Wein passt zu welchem Essen? Was ist eigentlich ein Chianti? Wie lange kann ich einen guten Bordeaux lagern? Mit dieser kleinen Broschüre wollen wir einige Eragen rund um das Thema Wein beantworten. Nicht alle, aber die wichtigsten. Mit der Erkenntnis wächst der Genuss, mit der Erfahrung der Geschmack. Wein ist wie gutes Essen: Beste Zutaten, handwerkliches Können, viel Erfahrung und eine Menge Talent müssen zusammenkommen, damit ein Gericht zu etwas Außergewöhnlichem wird - all das gilt auch für guten Wein.

"In vino veritas"

lautet ein uraltes und bekanntes lateinisches Sprichwort - im Wein liegt Wahrheit. Also schauen wir uns den Rebensaft selbst noch mal etwas genauer an:

Ihre Brigitte



Die Farbe!

Da ist zunächst die FARBE, die optische Erscheinungsform: Wein ist klar, ohne Trübstoffe. Beim weißen reicht die Tönung von wässrig/blass und nahezu farblos über grünlich/gelb bis hin zu Stroh-, gold- sowie bernsteingelb und amberfarben. Je älter ein Weißwein ist, desto dunkler und tiefer seine Farbe. Extraktreiche, spätgelesene Weine verfügen schon in ihrer Jugend über einen deutlichen goldenen Schimmer.
Die Färbung des Rotweins variiert von blass- und hellrot über ziegel-, granat-, rubin- und feurigrot bis hin zu bläulich-, dunkel- und braunrot. Je älter ein Rotwein, desto "hochfarbener" wird er, das heißt, er wird heller und bekommt einen Braunton. Roseweine sind lachsfarben, zwiebel-, himbeer- oder erdbeerrot. Vom zarten Grün junger Triebe über das blasse Gelb von Stroh und den Glanz des Goldes bis hin zur Glut des Feuers, dem Funkeln von Halbedelsteinen und dem satten Rot reifer Beeren - all diese Farbnuancen sind im Wein enthalten.

Der Duft!

Ferner ist da der DUFT: Wein kann ausdruckslos oder zurückhaltend, aber auch blumig, fruchtig und würzig riechen, Erinnerungen an Beeren und Kirschen wachrufen, an Äpfel, Birnen, Pflaumen, Zitrusfrüchte oder Fruchtbonbons, an Blumen und Blüten, an Gras, Heu und Stroh, Gemüse oder frisch gebackenes Brot, ja selbst an Leder oder Holz. Manchmal entwickeln sich Aromen gleichzeitig, manchmal aber auch nacheinander - denn Wein entfaltet sich erst im Glas.

Der Geschmack!

Kommen wir nun zum GESCHMACK, der zusammen mit dem Duft das Wesen eines Weines kennzeichnet. Obwohl wir grob unterschieden nur vier Geschmacksrichtungen mit der Zunge wahrnehmen können (süß, salzig, sauer, bitter), ist unser Geschmackssinn in der Lage, mithilfe der Nase unendlich viele, feine Nuancen zu identifizieren. Nicht alles, was der Duft eines Weines verspricht, hält der Geschmack. Doch umgekehrt können wir Aromen schmecken, die wir nicht gerochen haben: Säuren, Gerbstoffe, Mineralien und Spurenelemente. Und sogar ein und derselbe Wein schmeckt unterschiedlich, je nachdem, ob für sich oder zum Essen, ob in lauer Sommernacht oder in der warmen Stube getrunken...
Wie der Duft verändert sich auch der Geschmack mit der Zeit. Große Bordeaux-Weine schmecken in ihrer Jugend oft nach Gemüse und sind schlicht ungenießbar. Erst nach zehn, fünfzehn Jahren entfalten sie ihre ganze Palette von Aromen und können uns stundenlang aufs Angenehmste beschäftigen. Auch Gerbstoffe - die so genannten Tannine - eines jungen Barolo, die die Zunge wie Schmirgelpapier auftauen, werden ganz allmählich weicher. Manchmal lohnt es sich also, sich einige Jahre in Geduld zu üben und vorerst einen trinkreifen Wein zu öffnen.

Der Abgang!

Last not least der ABGANG oder Nachgeschmack, also das, was Zunge und Gaumen noch beschäftigt, wenn der Schluck längst schon die Kehle passiert hat. Manche, vor allem junge Weiße und extraktarme Rote, hinterlassen so gut wie keinen Eindruck; bei anderen, extrakt- und tanninreichen Weinen haben wir noch eine halbe Stunde später den Geschmack von Kirschen oder Brombeeren im Mund, von Schokolade, Banane, Fruchtgummi oder Pfeffer. Natürlich gibt es gute und schlechte, große und schlichte Weine. Und nicht jeder Wein ist gut, nur weil alt und teuer. Preiswerte junge Weine können ganz hervorragend munden. Entscheidend ist, dass Ihnen der Wein schmeckt. Doch Geschmack kann man schulen: Weingenuss ist in hohem Maße Erfahrung und Wissen.

Weitere Informationen: Siehe Rund um den Wein!